12 Kilometer, 300 Höhenmeter, der arme Hund!

Gestern bin ich mit meinem Hund einen 12-Kilometer-Trail mit 300 Höhenmetern gelaufen. Pace: 8:43 pro Kilometer – bewusst langsam, mit Gehpausen. Danach kam Kritik. Wohl wahr, in vielen Punkten und bei einigen Menschen, mit Sicherheit. Ich verurteile Agility Turniere in der prallen Hitze genauso wie das Laufen am Rad unter prallen Sonne. Aber was haben WIR denn eigentlich gestern genau gemacht? Und: Wie waren wir vorbereitet?

Die Fakten zum Lauf

Ja, es war Juli. In Heilbronn und Umgebung lag die Höchsttemperatur am Samstag bei etwa 26 Grad, zwischen 16:30 und 18:00 Uhr – unserer Laufzeit – waren es rund 25 Grad. Klingt erstmal warm. Aber: Wir laufen TRAIL. Der Weg führte fast durchgehend durch den Wald. Wer schon einmal an einem Sommertag vom offenen Feld in den Wald gewechselt ist, kennt den Unterschied – Schatten, kühlere Luft (übrigens auch Wind, war super), kein direkter Sonneneinfall. Ich kannte die Strecke in-und auswendig. Ich habe vorher bei den nachfolgenden Rädern angekündigt, dass ich selbstständig aussteigen könnte, je nach Verfassung und man nach mir nicht sehen muss. Ich hatte kein Zeitziel, keinen Ehrgeiz, keinen Anspruch an einen von uns. 

Dazu ist die Pace: 8:43 min/km für uns kein Laufen im eigentlichen Sinne, sondern ein lockeres Traben mit vom Hund bestimmten Gehpausen (auch das kann man antrainieren, zumindest diesem Hund. Der weiß ganz genau, dass er das Tempo bestimmt) zuzüglich zu Gehpausen an allen Anstiegen. Mein Hund ist auftrainiert. Er läuft normalerweise deutlich längere Strecken in deutlich schnellerem Tempo mit mir. Dieser Lauf war für ihn eine entspannte Einheit, keine Grenzerfahrung. Ein austrainierter Hund bei 8:43er-Pace im Waldschatten ist eine völlig andere Situation als ein untrainierter Hund in der prallen Mittagssonne. Würde ich das mit meinen anderen Hunden machen? Auf keinen Fall. Der hier ist aber der "Läufer" - und der wollte spät abends übrigens sogar nochmal ne Runde Gassi. 

Die Kühlweste

Zusätzlich trug mein Hund vor dem Lauf eine Kühlweste und während dem Lauf ein Kühlgeschirr. Diese Westen arbeiten mit Verdunstungskälte: Vor dem Lauf wird die Weste in Wasser getränkt und ausgewrungen. Während der Bewegung verdunstet das Wasser kontinuierlich und entzieht dem Körper dabei Wärme – dasselbe Prinzip, mit dem Schwitzen beim Menschen funktioniert, das Hunden aber fehlt, weil sie ihre Temperatur hauptsächlich übers Hecheln regulieren. Die Weste unterstützt genau da. Ich habe alles Wasser, dass ich dabei hatte und unterwegs bekommen habe, dafür genutzt, immer wieder "nachzunässen" - ich hatte für mich persönlich übrigens keine Verpflegung dabei. Nochmal: Das ist für uns ne Hausstrecke... die laufen wir regelmäßig... 

Kühldecke nach dem Sport – so geht's richtig

Weil das Thema so oft falsch gemacht wird, hier ein eigener Absatz: Nach dem Sport kommt bei uns die Kühldecke zum Einsatz – aber richtig. Der Hund wird zuerst aktiv abgewärmt, also einige Minuten im Schritt geführt, statt ihn direkt aus der Belastung in die Ruhe zu kippen. Wasser gibt es in kleinen Portionen, nicht literweise auf einmal. Dann lege ich die Kühldecke in den Schatten – und der Hund entscheidet selbst, ob und wie lange er sich darauflegt. Eine feuchte oder kühlende Decke über dem Hund kann die Wärmeabgabe sogar blockieren und einen Hitzestau verursachen. Auf der Decke liegend kühlt der Hund dagegen genau dort, wo es physiologisch sinnvoll ist: über Bauch und Leisten, wo das Fell dünn ist und große Gefäße nah unter der Haut verlaufen. Und: keine eiskalte Schockkühlung, sondern moderate Kühlung unter Beobachtung. Ja, auf dem Weg zum Auto habe ich ihm die Decke tatsächlich kurz angezogen, ok. 

"Mein Hund macht nicht alles für mich" - echt?

Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe schon mehrfach Trainingsläufe abgebrochen, weil mein Hund keinen Bock mehr hatte. Nicht einmal – mehrfach. Ich bin mehrfach eine Zugstation früher nach Hause gefahren, weil er einfach einen schlechten Tag hatte. Kein Drama, kein Durchziehen, kein „der muss da jetzt durch". Wer seinen Hund kennt, sieht, wann er will und wann nicht. Meiner zeigt es deutlich, und ich höre darauf. Jedes Mal! Wir erinnern uns, an einem Tag ist er so "scheps" gelaufen, dass er danach tierärztlich komplett auf den Kopf gestellt wurde. Und was war? Nix. Einen schlechten Tag hat er gehabt. Hat er trotzdem ne Laufpause gekriegt? Ja klar!

Was bleibt

Ich habe diesen Lauf verantwortungsvoll geplant: trainierter Hund, Schattenstrecke, bewusst langsames Tempo, Gehpausen, Kühlweste während des Laufs, korrektes Abkühlen danach. Was zwischen mir und meinem Hund passiert, basiert auf Jahren gemeinsamen Trainings und darauf, dass ich ihn lese und ernst nehme.

Mein Hund liegt gerade neben mir und schläft. Entspannt, gesund, zufrieden. Nächste Woche laufen wir wieder – oder auch nicht, falls er keinen Bock hat. Das entscheidet er nämlich mit.

Den "was tust du dem Hund an" Schuh ziehe ich mir nicht an. Nicht so, wie wir das gemacht haben. 

Die Angst vor Nachahmung

Ja, dieses Argument verstehe ich – und ich teile die Sorge sogar. Wer öffentlich Sport mit Hund zeigt, trägt Verantwortung dafür, einen gesunden Umgang vorzuleben. Genau deshalb dieser Beitrag: nicht als Aufforderung, es nachzumachen, sondern als Einblick, wie viel Vorbereitung, Training und Beobachtung hinter so einem Lauf stecken. Wenn jemand mit dem Gedanken spielt, mit seinem Hund zu laufen, freue ich mich darüber – aber bitte mit langsamem Aufbau, tierärztlichem Check und einem ehrlichen Blick auf den eigenen Hund. Fragt gerne nach, ich teile meine Erfahrungen jederzeit. Denn am Ende wollen wir doch alle dasselbe: gesunde, glückliche Hunde.

Übrigens sehe ich haufenweise Influencer, die ohne Training mal eben einen Marathon laufen … das machen wir besser auch nicht nach.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert