Die „Warnung“ vor Hundetagesstätten – eine Stellungnahme (1)

Immer wieder steht das Gesamtkonzept „Hundetagesstätte“ in der Kritik. Leider kommt das bei uns nur vom „Hören-Sagen“ an, daher haben wir mal einen Artikel herausgesucht, der vor Hundetagesstätten warnt.

Gerne möchten wir zu den einzelnen Punkten Stellung beziehen und ein wenig differenzierter betrachten.

Im Übrigen steht es jedem „hundetagesstättenkritischen“ frei, mit uns in den Dialog zu treten.

Wir wissen von Kunden, die parallel ein Hundetraining in Anspruch nehmen, das parallel, transparent und in gegenseitiger Achtung und mit Respekt vor der jeweiligen Arbeit stattfinden kann. Darüber sind wir immer und zu jeder Zeit sehr froh. Außerdem sind wir hier sicher, dass Kritik in direkter Form den Weg zu uns finden würde, vielen lieben Dank für eure Offen-und Ehrlichkeit!

Wovon wir gar nichts halten, ist das besagte „Hören-Sagen“. Es ist unmöglich, alle Betreuungskonzepte über einen Haufen zu werfen – und wenn wir so manches lesen, möchten wir uns von der ein-oder anderen Betreuungsvariante doch sehr deutlich abgrenzen!

Da wir aus diesem „Hören-Sagen“ keine Argumente heraushören können, haben wir mal die Standpunkte von Herrn Rütter herangezogen:

„Warum Tiertrainer Martin Rütter vor Hundetagesstätten warnt“ – erschienen am 12.03.2015 in „der Westen“. (Zum Artikel)

Zitat: „Der Tierpsychologe betont, dass sich die Hund-Herrchen-Bindung nur durch viel gemeinsame Zeit aufbaut. Im Zweifel solle man auf Hunde verzichten“

Richtig. Auch wir sehen, dass eine Bindung zwischen Mensch und Hund durch gemeinsame Zeit, gemeinsame Erlebnisse und gemeinsames Schaffen von Routinen und Abläufen entstehen kann. Wir empfehlen daher, abhängig vom Hund und seiner Persönlichkeit, einen Besuch von 2 ganzen (halben) Tagen in der Woche.

Zitat: „Hunde, die ständig von wechselnden Personen betreut werden, entwickeln oft keine so intensive Bindung an ihren Besitzer.“

Richtig. Aus diesem Grunde ist uns sehr daran gelegen, dass die Hunde zwar eine Beziehung zu uns aufbauen, aber niemals in dem Maße, wie zu ihren Besitzern. Allein schon aufgrund des Arbeitsaufwandes ist es uns nahezu unmöglich, uns mit jedem Hund über lange Stunden zu befassen. Das ist aber auch nicht das Ziel der Hundebetreuung: Die Hunde sollen sich miteinander beschäftigen und untereinander kommunizieren.  

Zitat: „Wer jedoch tagtäglich acht, zehn oder mehr Stunden unterwegs ist und den Hund für diese Zeit in eine Betreuung gibt, sollte auf den eigenen Hund lieber verzichten.“

Prinzipiell richtig. Leider hören wir oft von Familiensituationen, die sich verändern. Oder Konstellationen, die im Wandel sind. Angenommen, ein Hund war nun jahrelang Teil einer Familie, die sich umstrukturieren muss: Ist da eine Hundetagesstätte nicht eine bessere Alternative, als einen Hund wegzugeben? Das muss jeder selbst für sich entscheiden. Im vergangenen Jahr haben wir über eine lange Zeit eine Hündin betreut, die über die Dauer der Krankheit ihrer Herrchen in der Familie nicht ausreichend betreut werden konnte. Mit der Genesung kämpften sich ihre Herrchen immer ein Stück weit voran und übernahmen wieder die Betreuung der netten Hundedame. Wir finden, dies war der bestmögliche Ansporn zur Genesung. Und wir sind natürlich sehr froh, dass diese Hündin immer mehr Zeit wieder bei ihrer Familie verbringen kann. Und ihre Familie, da sind wir sicher, ebenso. Die Liebe zum Hund hat sicherlich zu den gesundheitlichen Fortschritten beigetragen, davon sind wir überzeugt.

Wir wollen damit sagen: Es kann immer eine Notsituation eintreten – und dafür einen „doppelten Boden“ zu haben, ist sicherlich nicht verkehrt.

Zitat: „Hinzu kommt, dass in der Hundetagesstätte vielleicht andere Regeln gelten als zu Hause.“

Das ist zwar richtig, jedoch beschränken sich die Regeln bei uns auf das Verhalten untereinander. Die Hunde sollen und dürfen frei miteinander kommunizieren – müssen jedoch auch Regeln und Grenzen der anderen Hunde akzeptieren. Weitere Regeln gibt es bei uns einfach nicht. Natürlich dürfen sie bei uns „auf Sofa“ – und im schlimmsten Fall nehmen sie diese Freiheit „mit nach Hause“. Viele Hunde können das aber sogar sehr gut differenzieren.

Zitat: „Hunde brauchen Kontakt zu anderen Hunden – sie müssen die Möglichkeit haben, mit Artgenossen zu kommunizieren.“

Absolut. Und das, und nur das, ist die Grundidee einer Hundetagesstätte: Dem Hund die Möglichkeit hierzu zu geben.

Zitat: „Selten wird überprüft, wie die Struktur der bestehenden Gruppe ist, welchen Charakter der neue Hund hat und ob er überhaupt hineinpasst.“

Oh, das Überprüfen wir sehr, sehr genau. Jeder Hund kommt an einem ruhigen Tag zu einem „Testtag“ und wird entsprechend seines Verhaltens sehr genau beobachtet. Es gibt Hunde, die freuen sich sofort über die Gruppe. Hunde, die eine gewisse Zeit zum Auftauen brauchen. Und Hunde, die sich in dem Konzept nicht wohlfühlen. Wir kommunizieren dies immer ganz offen – und sagen gelegentlich Hunden ab, die sich in der Gruppe nicht wohlfühlen.

Zitat: „Das Gelände ist hoffentlich zwar ausreichend groß, dennoch wird es immer ein umzäuntes Areal sein, so dass Ausweichen und Zurückziehen immer nur bis zu einem bestimmten Punkt möglich ist.“

Das ist zwar prinzipiell richtig, jedoch achten wir sehr genau darauf, Hunden, die gerade einen Rückzug suchen, diesen auch ungestört zuzulassen. Die Hunde verstehen diese Form von Respekt sehr schnell. Derzeit betreuen wir eine ältere Dame, die sich gerne zurückzieht (übrigens ebenso, wie unsere leider verstorbene Oma-Chow). Die Hunde respektieren dies sehr schön – und lassen unserer „Dame“ ihren Freiraum und ihre Ruhe. Auch das gehört zum Hundeverhalten: Zu verstehen, was ein Hundegegenüber zulässt und wünscht – und was eben nicht.

Und noch eine Anmerkung am Ende: Es ist durchaus berechtigt, Hundetagesstätten kritisch zu betrachten. Genau deshalb hat Tom TomDog doch erstmals gegründet – weil er von keiner Form der Betreuung, die er betrachtet hat, durchweg überzeugt war. Die Unterschiede sind so gravierend, dass jeder selbst für sich entscheiden muss.

Eine pauschale „Warnung“ halten wir für unangebracht. Und undifferenzierte Kritik „aus der Ferne“ im Übrigen auch. Da fragen wir uns, ob es nicht an menschlicher Kompetenz untereinander und an Achtung für die jeweilige Arbeit mangelt.

Tom schreibt übrigens selbst gerade auch noch ein paar Zeilen hierzu, die werden wir euch dann natürlich nicht vorenthalten J. So, wie wir ihn aber kennen, wird das wahrscheinlich weniger diplomatisch werden. Also wer es recht direkt mag: Kommt bald.

Wir bedanken uns aber noch einmal ausführlich bei jenen Hundetrainern, die das Training parallel zur Betreuung abhalten und im offenen Dialog mit uns stehen. 

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