Die „Wattebauschfraktion“, die „Hundebrecher“ und was wir von all dem halten

Manch einen Abend führen Tom und ich so witzige Diskussionen, dass ich mir hinterher wünschte, ich hätte alles mitgeschrieben. Und endlich, so wie heute, versuche ich, euch teilhaben zu lassen. Es ist das ewige Thema: Hundetraining.

"Hundetraining" bei uns bedeutet die Arbeit mit Hunden, die mit anderen Hunden nicht zurechtkommen. Aus unserem Projekt "Resozialisierung" haben wir einige Hunde entlassen, die noch heute fester Bestandteil der Gruppe sind. Für uns ist es wunderschön und großartig zu sehen, wie diese Hunde sich entwickeln. Wieder lernen, sich wie Hunde zu verhalten. Diese Arbeit ist Toms Steckenpferd - und das macht er mit großer Leidenschaft. Auch, weil es viel Arbeit "mit dem Hund" ist und die Kommunikation direkter ist, als über den Hundehalter.

Dabei habe ich Tom jetzt lange, lange beobachtet, viel gelernt. Was ich sofort begriffen habe, ist, dass Tom niemals, zu keinem Zeitpunkt und NIE einen Hund "gebrochen" hat. Das Vertrauen des Hundes hat er sich, mal über längere, mal über kürzere Dauer, immer erobert. Sowohl bei den Schüchternen, Skeptischen, als auch bei den Rabiaten und Angriffslustigen. Trotzdem war er immer konsequent.


Der Hundehalter - eine unberechenbare Variable

... und das meinen wir nicht negativ. Aber oft scheitert ein Training doch an der Umsetzung. Soeben noch erklärt und gezeigt, scheint es zu Hause einfach nicht zu funktionieren. Oftmals vielleicht einfach nur, weil man bei der Umsetzung ein Detail nicht bedacht hat.

Der schönste Satz, der in der heutigen Unterhaltung gefallen ist, war glaube ich: 

"Umso besser mein Hund auf mich hört und auf mich reagiert, umso mehr Freiheiten darf und kann er genießen".

Weil ich mich auf meinen Hund verlassen kann. Wir zueinander Vertrauen haben. 

Wer seine Beziehung zu seinem Hund auf diesem Konzept aufbaut, so denken wir, hat gute Chancen, eine Bindung zu seinem Hund und ein Vertrauensverhältnis zu schaffen. Das bedeutet nicht, einen Hund zu "bestrafen" - es bedeutet einfach nur, konsequent zu sein. 

Wenn ich als Hundehalter versuche das zu verinnerlichen, werde ich vielleicht auch weniger "nachgiebig" sein - denn die eigene Inkonsequenz nimmt meinem Hund Freiheit.

Heute wurden wir nach einer Trainingsempfehlung gefragt. Ein Hund, der nahezu von Geburt an bei seinen Besitzern ist und nun Probleme macht. Wir empfahlen eine Hundeschule, die wir gut kennen. Diese ist, so auch die Beschreibung, eher der "Wattebauschfraktion" zuzuordnen. UNS ist die "Wattebauschfraktion" 10 Mal lieber als schlecht praktizierende "Hundebrecher", die unter Umständen traumatisierte Hunde zurücklassen.

Man bedenke einen sensiblen Hund, der Probleme hat, Vertrauen zu fassen. Wenn wir von diesem Hund etwas möchten, so sollten wir ein Vertrauen aufbauen - und ihn nicht brechen wollen. "Brechen" ist sowieso ein selten dämliches Wort für so einiges, was "im Training" passiert. Und ja, wir wissen das, denn etliche unserer Resozialisierungshunde resultierten zum Beispiel aus solch einem Training. 

Aber das geht jetzt auch zu weit...

Was ich sagen will: Für jeden Hund das richtige Training... Trainer anschauen. Sympathie entscheiden lassen. Spüren, mit wem mein Hund arbeiten möchte. Und nachhören, ob mein Bauch das nachvollziehen kann. Ob das, was mir da jemand erklärt, SINN ergibt. Ob vielleicht die Worte "Bindung" und "Vertrauen" fallen... 

Wir wünschen allen bei der Suche nach einem guten Hundetrainer alles erdenklich Gute - kritisch zu sein, zu hinterfragen und versuchen, zu verstehen gehört dazu! Manchmal ist ein Konzept nicht "besser" oder "schlechter" - manchmal ist es einfach nicht das "passende" für den jeweiligen Hund.

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