Resozialisierungshunde – kommt mein Hund zu kurz?

Vor Kurzem wurden wir darauf angesprochen, ob die Arbeit mit Resozialisierungshunden nicht der Arbeit mit unseren umgänglichen und verträglichen Gruppenhunden im Weg stehen würde. Vorab möchten wir kurz erklären: Wir kümmern uns ebenso intensiv um eure Hunde, wie auch um die Resozialisierungshunde.

Was sind Resozialisierungshunde?

Für uns zählen zu den Resozialisierungshunden unterschiedliche Typen:

Auf der einen Seite treffen wir die, die eingeschüchtert und ängstlich sind, sich zurückziehen, vor anderen Hunden einen großen Respekt haben und denen es schwerfällt, Freude an anderen Hunden zu haben. Auf der anderen Seite die, die Aggressionen gegenüber anderen Hunden zeigen, aus welcher Motivation heraus auch immer. Die unterschiedlichen Motive für ein aggressives Verhalten gegenüber anderen Hunden, bezieht Tom in unsere Arbeit immer mit ein.

Und wenn ich schreibe „unsere Arbeit“ – dann ist es immer die Arbeit von Tom, der mit großer Gewissenhaftigkeit, Vorsicht, Bedacht und einem hervorragenden Gespür für den Hund langsam die Arbeit beginnt. Das Thema „Resozialisierungshunde“ obliegt Tom alleine – es ist sein Herzensprojekt und seine Überzeugung.

Wir möchten nochmals darauf hinweisen:

Jeder Hund hat eine Chance verdient!

Und mit jedem Hund möchten wir es gerne versuchen.

Die sogenannten „Resozialisierungshunde“ erhalten oft nirgends sonst eine Chance, Hund zu sein. Eine Chance, wieder am hundischen Leben teilnehmen zu dürfen. Diese Hunde sind für uns keine „Hunde 2. Klasse“ und werden genauso liebevoll behandelt, wie alle anderen auch. Sie benötigen etwas mehr Zeit, etwas mehr Geduld und mehr Fingerspitzengefühl – aber sie sollen ebenso Teil unserer Arbeit sein. Wir werden darauf nicht verzichten.

Resozialisierungshunde bekommen bei uns einen „festen Tag“, sodass wir uns darauf einstellen können. Die erste Stunde lassen wir die Hunde ankommen, wir nutzen dafür den Außenbereich, den ihr als „Schleuse“ kennt. Hier hat der Hund einen jederzeit offenen Zwinger zum Unterstellen und darf die neue Umgebung zunächst kennenlernen.

Dann beginnt Tom, sich mit dem Hund zu befassen. Ihn kennenzulernen. Und nach einiger Zeit wird er Stück für Stück andere Hunde dazu bringen. Immer mit Bedacht und nach seinem Gefühl. Die Aufregung ist den Hunden anzumerken, oft kann Tom nie länger als eine Stunde intensiv mit einem solchen Hund arbeiten, bevor er wieder eine Pause bekommt. Das wiederholt er, vielleicht zwei, drei Mal pro Tag. Irgendwann schreitet die Arbeit voran – und im Idealfall kann der Hund zum Schluß mit der Gruppe laufen, ohne Maulkorb.

So hatten wir zum Beispiel im Sommer eine Rottweilerdame, die den Umgang mit Artgenossen nicht kannte. Wir haben sie trotzdem zur Urlaubsbetreuung aufgenommen, wohl wissend, dass sie sonst auch niemand nehmen würde. Sie blieb genau einen Tag draußen im Vorraum, am zweiten und dritten Tag traute Tom ihr zu, mit einem Maulkorb in der Gruppe zu laufen. Nach den nächsten Erfolgen durfte sie dann fast zwei Wochen frei von Maulkorb Tag und Nacht mit uns und den Hunden verbringen.

Tom versucht, alle Risiken, die mit Resozialisierungshunden entstehen könnten, so gering wie möglich zu halten. Diese Rottweilerdame durfte mit den anderen Hunden laufen, als wir uns beide einig waren, dass sie für andere Hunde keine Gefahr darstellt. Auch hier nochmals der Hinweis: Wir möchten eure Hunde nicht gefährden, aber wir selbst haben auch vier Hunde, die wir ebenfalls nicht gefährden möchten!

Ein Risiko bleibt aber IMMER!

Auch bei gut verträglichen Hunden kann es zu Keilereien kommen – wir achten immer auf eure Hunde und wissen doch um ein gewisses Restrisiko. Dieses besteht aber ganz unabhängig von den Resozialisierungshunden, zu jeder Zeit. Jeder Hund könnte einmal „schnappen“, wenn er sich zum Beispiel eingeengt fühlt. Würdet ihr für euren Hund 100% die „Hand ins Feuer“ legen?

Es sind Hunde. Wir unterbinden jede Form der Keilerei und Auseinandersetzung so schnell wie möglich – und doch bleibt immer ein Restrisiko.

Eure Hunde werden durch die Resozialisierungsarbeit nicht vernachlässigt oder außer Acht gelassen. Sie können hier Hund sein, mit Artgenossen spielen und kommunizieren, immer unter den Augen von Tom und mir, sowie Bobby, Angus und Dina, die einen hervorragenden Job machen. Und übrigens nimmt auch der ein-oder andere Gasthund bei der Resozialisierung für sich selbst ein Stück mit – und lernt dazu. Zum Beispiel, wie man sich schüchternen Hunden gegenüber verhalten kann.

Toms Erfahrung und seine Arbeit wird auch von Veterinäramt und Polizeihundestaffel geschätzt. So hat Tom eine Sondergenehmigung erhalten, die ihm erlaubt, mit Listenhunden zu arbeiten und diese einem Wesenstest bei den zuständigen Ämtern vorzustellen.

TomDog ist gewachsen

Wir bitten auch zu beachten, dass unsere eigenen Hunde uns 24 Stunden am Tag mit anderen Hunden teilen müssen. Insbesondere Bobby, Angus und Dina arbeiten tatkräftig mit – und teilen Tom über den gesamten Tag. Sie stehen somit ganz hinten an und oftmals können wir unsere Dankbarkeit nicht genügend zum Ausdruck bringen.

Wir sind zwischenzeitlich so groß geworden, dass wir Kunden aus Leimen, Ludwigsburg, Stuttgart, Esslingen und anderen Orten hier begrüßen dürfen. Wir hatten Urlaubshunde aus Mexico, Neuseeland und Spanien über den Sommer hier und freuen uns riesig über die große Resonanz.

Und genau deshalb müssen wir zunächst einmal die Aufnahme von weiteren Tageshunden eindämmen.

Weil uns die Arbeit mit Resozialisierungshunden wichtig ist und wir hierfür Kapazitäten halten möchten. Weil wir allen, wirklich allen Hunden eine Chance geben möchten. Gemeinsam dürfen wir 20 Tagesstättenplätze vergeben – und das ist für unser Empfinden auch eine absolute Obergrenze.

Trotz unseres Erfolges bleibt unser größter Bauschmerz: Das unsichere Gelände und ein fehlender langfristiger Pachtvertrag. Wir haben hier Steine ins Rollen gebracht und hoffen auf recht baldige positive Nachrichten!

Abschließend bleibt zu sagen: Wer seinen Hund zu uns bringt und uns, insbesondere Tom, vertraut, dem muss bewusst sein, dass wir ab und an auch Resozialisierungshunde betreuen. Ebenso muss aber auch klar sein, dass in einer Gruppe, in der Dynamiken entstehen können, auch immer ein Restrisiko bleibt.

Wir lieben unsere Arbeit – und Tom liebt die Arbeit mit Hunden, die sonst jeder aufgegeben hat. Wir werden ihm das nicht nehmen. Unter keinen Umständen.

Herzliche Grüße, Iris

Ein Gedanke zu „Resozialisierungshunde – kommt mein Hund zu kurz?

  • 20. September 2017 um 15:07
    Permalink

    Horn, Ralf aus Gundelsheim schrieb am 20. September 2017:
    Hallo ich möchte kurz mal zu dem Thema Resozialisierungshunde zu Wort melden und zur Tagesstätte TomDog. Wir , meine Frau und ich sind sehr froh über diese Einrichtung denn dann kümmert sich wenigstens jemand auch um Hunde die schon aufgegeben wurden. Wir können da ein Stück mit reden, denn unsere erste Hündin war zu Hause eine richtige Schmusebacke ,aber bei Fremden oder zu Hause auf dem Gelände durfte sich keine fremde Person unberechtigt bewegen. Zu unserer Zeit wären wir froh gewesen wenn wir jemamd wie Tom gehabt hätten wo uns unterstützt. Wir haben unsere Hündin geliebt und bis zu letzten Sekunde begleitet. Nie im Leben hätten wir sie aus irgendeinem Grund abgegeben. Leider mussten wir sie nach 11 schönen Jahren einschläfern lassen. Nun haben wir eine neue Hündin namens Joy und bringen sie seit Mai 2017 einmal die Woche zu Tom. Wir sagen so schön zum Hundekindergarten. 🙂 Wir können nur positives über TomDog sagen. Sie gehen liebevoll mit den Hunden um , sie lernen mit anderen Hunden zu spielen und was viel wichtiger ist , sie lernen sich in einem Rudel richtig zu verhalten. Natürlich und da stimme ich Iris voll und ganzu zu: Kein Hundebesitzer kann zu 100% sagen mein Hund beist nicht. Wir ,die Menschen können in einer Notsituation versuchen uns ´mit Worte zu verteidigen. Ein Hund kann das nicht. Er kann nur knurren bellen oder wenn es ganz eng wird zupacken. Zu kurz kommt hier sicher kein Gasthund ,ich glaube eher die eigenen Hunde kommen hier bestimmt manchmal zu kurz. Es ist immer so toll wie die Hunde so liebevoll verabschiedet werden. Jeder der TomDog nutzt, wird hoffen, dass sich die Platzsituation bald positiv entwickelt. Denn die Geschäftsidee hat in Heilbronn und Umgebung total gefehlt. Auf diesem Wege wollen wir mal ein Danke Schön an Iris und Tom ausrichten. macht weiter so , denn es bringt unserer Hündin sehr viel, wenn sie bei Euch ist. Liebe Grüße Anette Ralf mit Hündin Joy

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